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KERZEN, KOHL UND "MUTTER HEIMAT"

Kohl auf dem Markt, Gold auf den Kupplen. Und über allem wacht eine Mutter aus Stahl: Kiev, die Hauptstadt der Ukraine, desitzt den Charme der Unvollkommenheit. Die Menschen versuchen der Armut mit Einfallsreichtum und Kreativität zu begegnen wie der Künstler Olexander Stelmachenko.

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"Ich bin der Kreator"

   Die goldenen Kupplen und die "Mutter Heimat" spielen in der Biographie von Olexander Mikolaewitsch Stelmachenko eine Rolle. "Schon als Kind zog es mich mit aller Kraft in die Stadt mit den goldenen Kirchenkupplen", sagt Stelmaschenko, der im entfernten Donetsk aufgewachsen ist. Er ist "Sculptor", Bildhauer. Es ist nicht so einfach, ihn am Yaroslaviv Val 14 zu finden: Hinterhof, Bretterverschläge, sein Atelier hat kein Fenster. Er ist Absolvent der Kunsthochschule der Ukraine in Kiew und der staatlichen Akademie der Künste. Und einer seiner Lehrer war Jewgeni Wutschetitsch, der den Gesamtentwurf für die Gedenkstätte mit der "Mutter Heimat" gemacht hat. Wenn man Stelmashenko auf seine Kunst anspricht, dann brechen die Worte aus ihm heraus, dann ist Leidenschaft nur ein müdes Wort für das Feuer, das in ihm brennt. Den selbstgemachten Spachtel hat ez zu einem Dirigentenstab erhoben. "Das Shaffen ist wie das Leiten eines grossen Orchesters, ich arbeite nach dem Gesetz des Kaleidoskops, ich bin der Kreator". Und das Wort Kreator stösst er wie einen Jubelschrei hervor. Denn der 41 jährige hat sich "wie ein Adler in der Luft gefühlt", als er sich vor fünf Jahren selbständig machte. Vorher arbeitete er in einer Stiftung für ukrainische Küundler und nahm vor allem Auftragsarbeiten an wie zum Beispiel das Fries am Gebäude der Zentralpost in Kiew. Jetzt, nach fünf Jahren, wurde ihm sein Gehalt ausbezahlt - ein Betrag, den die Inflation in der Zwischenzeit schon eingeholt hat. "Das Gehalt hätte der Grundstock für mein freies Arbeiten sein sollen - heute kann ich davon einen Kaffee bezahlen." Aber mit einem Blick auf seine Arbeit ist die Angst vor der finanziellen Zukunft verschwunden.

"Leben, Tod und Freiheit"

   "Nicht ich fürchte das Material, das Material färchtet mich", lacht er und glättet behutsam eine Stelle seines Wachsmodells, das später in Bronze gegossen werden soll. "Der schweren Bronze leichte kosmische Formen abringen...". Kompositionen zum Thema Freiheit, sensible Frauengestalten von feiner, eigentümlicher Strenge, Engel, Figuren zwischen Tod und Auferstehung, Torsi... "Ich schaffe mir meine eigene Wirklichkeit. Die Seele wächst an Schwierigkeiten." Auf die religiösen Themen ist er durch eine persönliche Tragödie gekommen. "Ich spüre heute beim Arbeiten, dass ich nicht alleine bin, dass Leben da ist, Kräfte, die meine Hand führen." Sein grösster Wunsch: "Wenn ich all meine Figuren in Bronze giessen könnte, dann wäre ich der glücklichste Mensch auf dieser Erde." Und wie ist sein Vserhältnis zur "Mutter Heimat"? Olexander Stelmachenko zuckt die Achseln. "Sie ist ein Symbol der damaligen Epoche. Einer Epoche, die Gott sei Dank vorbei ist."

Angelica Schorre